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Suchmaschine – Fluch oder Segen?

Sie sind aus unserem digitalen Leben nicht mehr wegzudenken. Ob im Web, im Unternehmen oder in den persönlichen Ablagestrukturen: Die Suchmaschinen weisen uns den Weg zum Ziel.

Wirklich? Verlässlich und in der gewünschten Qualität? Da ist ein grosses Fragezeichen zu setzen. Wer sich beim Zugriff auf Inhalte – Content – vollends auf die Suchassistenten verlässt, verliert nicht nur an Effizienz. Er verabschiedet sich zunehmend auch von wertvoller Substanz. Dies gilt im World Wide Web ebenso wie im Unternehmen oder bei der Verwaltung persönlicher Dokumente und Daten.


Zum Web. In Sekundenbruchteilen liefert uns Google Tausende bis Millionen von Treffern zu nahezu jedem Begriff. Dies indes ohne jegliches Verständnis von der Anfrage. Suche ich Portale zum Thema Wissensmanagement, liefert die Maschine vorab Tools rund um das Knowledge Management. Weiter unten folgt dann gnädigst doch noch, worum es bei der Anfrage eigentlich geht: das Portal im deutschsprachigen Raum schlechthin – wissensmanagement.net. Eine Differenzierung in diese zwei fundamental unterschiedlichen Trefferkategorien oder eine klärende Nachfrage fehlen. Der Algorithmus hat nicht die leiseste Ahnung von dieser fundamentalen Weichenstellung.


Wer sich allein auf die Suchassistenten verlässt, verabschiedet sich zunehmend von wertvoller Substanz.

Ein weiterer gravierender Mangel: Wie die Suchresultate zustande kommen, bleibt bei Google und Co. völlig im Dunkeln. Dabei müsste es beim heutigen Transparenz-Hype doch eine Selbstverständlichkeit sein, sich über die verwendeten Algorithmen ins Bild setzen zu können. Noch besser: Ich wünschte mir die Möglichkeit, die Parameter selber zu steuern und zu gewichten. Etwa, ob das Erscheinungsdatum eines Beitrages, die Anzahl Backlinks oder die Bedeutung des Website-Owners ins Treffer-Ranking einfliessen sollen oder eben nicht. Wie kritiklos wir diese kommerziell motivierte Fremdsteuerung und Bevormundung hinnehmen, ist gelinde gesagt erstaunlich. Es ist zu hoffen, dass sich in Analogie zu den inhaltlichen Faktenchecks auch hier etwas tun wird.


Und wie verhält es sich bei der Suche nach Dokumenten und Content im Unternehmen? Sicherheit und Ordnung beim Zugriff auf wichtige Daten und Informationen lassen sich mit Algorithmen auch hier nicht erreichen. Enterprise Search Engines gaukeln Zugriffssicherheit vor. Verlassen wir uns darauf, werden sich wichtige Inhalte angesichts der schieren Menge mehr und mehr im Irgendwo verlieren.


Menschengemachte Strukturen, die kollektive, aber auch die persönliche Bibliothek an relevanten Bezügen und Inhalten, sind unersetzlich. Vor zwanzig Jahren haben wir in dem Zusammenhang den Begriff «Link Management» – das bewusste Management manuell gesetzter Bezüge zu relevanten Zielen – geprägt. Eine Folge der Initiative war die technische Innovation des Metalinks, welcher multiple Hyperlinks aus dem jeweiligen Kontext heraus ermöglicht.


Das Fazit: Der schnelle und sichere Zugang zum gewünschten Content erfordert selbstverständlich clevere Technologie. Vor allem aber verlangt er nach menschengemachten Strukturen. Das Denken und das Setzen der richtigen Prioritäten kann uns die Informatik nicht abnehmen. Wer sich der Suchmaschine alleine anvertraut, verliert die Hoheit über das Management relevanter Inhalte. Sowohl im Web als auch im Unternehmen ist diese eine hilfreiche, unverzichtbare Krücke, die indessen nie Ersatz für intelligentes, selbstbestimmtes Navigieren sein kann.


Diese Kolumne erschien in der Oktober-Ausgabe des Swiss IT-Magazine. Sie können diesen hier als pdf herunterladen. Weitere spannende Beiträge finden Sie wie immer auch auf unserer Download-Seite.

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